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| Lonely Planet Reiseführer - Inhalte frei erfunden oder abgeschrieben |
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30.04.2008 (Sydney):
"Lonely Planet" brüstet sich damit, die ehrlichsten Reiseführer der Welt zu verlegen, so findet man zum Beispiel auf der Homepage für die Presse folgenden Satz: "Lonely Planet hat einen unübertroffenen Ruf, gut recherchierte, aktuelle Informationen zu bieten, auf die Urlauber vertrauen können - egal wohin sie reisen".
Die Autoren dürfen u.a. laut den Richtlinien des Verlages an Ort und Stelle keine Geschenke akzeptieren. Zumindest daran hielt sich Thomas Kohnstamm: Er war nie in dem Land, über das er schrieb.
Wie Kohnstamm gegenüber der australischen Zeitung "Daily Telegraph" zugab, machte er die Recherchen für den Kolumbien-Führer der Reihe von San Francisco aus und schrieb auch dort die Inhalte.
Auf die Insidertipps, die die "Lonely Planet"-Leser besonders schauen, musste Kohnstamm dennoch nicht verzichten: "Die Informationen bekam ich von einem Mädel, mit dem ich ausgegangen bin, einer Praktikantin im kolumbianischen Konsulat."
"Sie haben mir einfach nicht genug gezahlt, um nach Kolumbien zu fahren", rechtfertigte sich Kohnstamm gegenüber der Zeitung. Laut eigenen Angaben arbeitete er an einem Dutzend "Lonely Planet"-Bänden mit, etwa über Brasilien, die Karibik, Venezuela, Chile und Südafrika.
Laut seinen Angaben stammen auch viele Insidertipps aus anderen Quellen, wie Magazinen, Reiseführern oder auch stark aus Internet-Quellen.
Laut Kohnstamm erwartet der Verlag viel mehr Leistung, als er bezahlen wolle. Kohnstamm ließ sich so nicht nur in Hotels und Gaststätten einladen wo immer er konnte oder Reisen verbotener Weise auch von Veranstaltern bezahlen, sondern verdingte sich laut eigenen Angaben auch schonmal als Drogenkurier, um seinen Unterhalt zu bestreiten.
Seine Schilderungen sind nicht bloß die eines schwarzen Schafs. Der "Telegraph" zitiert etwa aus einer E-Mail der "Lonely Planet"-Autorin Jeanne Oliver an das Verlagsmanagement, in dem sie meint, Enthüllungen wie die von Kohnstamm seien nur eine Frage der Zeit gewesen.
"Warum versteht Ihr nicht, dass Euch irgendwer irgendwie bescheißen wird, wenn Ihr pausenlos einen Strom neuer, unüberprüfter Leute schlecht bezahlt und sie dann auf die Umgebung loslasst?", beschwerte sich Oliver demnach bei der Verlagsleitung.
Kohnstamm will aus seiner bisherigen Not nun jedenfalls Kapital schlagen. Seine Geständnisse sollen vor allem für sein neues Buch "Do Travel Writers Go To Hell?" ("Kommen Reiseautoren in die Hölle?") sein, in dem er die fragwürdigen Praktiken in der Branche aufdecken will.
"Lonely Planet"-Chefin Janet Slater gelobte in einer internen Mail, aus der der "Telegraph" zitiert, alle Bände mit Beiträgen von Kohnstamm würden überprüft. Erst danach werde man sich den nunmehr aufgetauchten Problemen grundsätzlich widmen.
Der "Lonely Planet"-Herausgeber Piers Pickard beschwichtigt hingegen komplett und sieht auch an den frei erfundenen Inhalten keinen Mangel. Wie er dem "Telegraph" gegenüber sagte, habe man bei einer ersten Überprüfung seiner Beiträge "keinerlei Inkorrektheiten" gefunden, anscheinend ist es für den Herausgeber kein Problem, das die Autoren des angeblich besten Reiseführers der Welt noch nicht mal selbst in dem Land waren...
Update: Lonely Planet Autor rudert zurück und mach Skandal noch größer:
Mittlerweile soll der Autor ein wenig zurückrudern, allerdings nur mit den Angaben, dass das Zahlungs-/Erwartungsverhältnis seitens Lonely Planet zu schlecht sei: Es wurde zugegeben, dass Lonely Planet nie von ihm erwartet habe, dass er nach Kolumbien fährt um für den Reiseführer Kolumbien zu recherchieren.
Ob das die Leser wirklich mehr erfreut, ist wohl sehr fraglich, das würde ja bedeuten, dass Lonely Planet systematisch weiß und fördert, dass die Autoren nie das Land sehen, worüber Sie schreiben... Aus unserer Sicht ein noch viel größerer Skandal!!
Quelle: [AFP, AP, Daily Telegraph, ]
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