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| Reiseveranstalter Interflug pleite - keine Versicherung gehabt? |
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30.05.2005 (Hamburg, Antalya): Hunderte deutsche Touristen können nicht aus der türkischen Stadt Antalya abreisen. Grund sind nach Medienberichten finanzielle Schwierigkeiten des Reiseveranstalters. Seit Freitag warten mehrere hundert deutsche Touristen im türkischen Ferienort Antalya vergeblich auf ihren Rückflug. Eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes sagte, Mitarbeiter des Honorarkonsulats von Antalya sowie des Generalkonsulats Izmir seien vor Ort und der Verband deutscher Reiseveranstalter sei eingeschaltet. Grund für den Vorfall sind nach Angaben des Südwestrundfunks finanzielle Schwierigkeiten des Reiseveranstalters.
Die im türkischen Antalya gestrandeten deutschen Urlauber sollen aber nun noch heute ihren Rückflug in die Heimat antreten können. Nach Angaben des Deutschen Reiseveranstalter Verbandes (DRV) sind für den Abend zwei Flüge nach Stuttgart und Nürnberg vorgesehen. Die Rückflüge würden vom Hamburger Türkei-Spezialisten Öger Tours organisiert. Die Touristen waren in der Türkei hängen geblieben, nachdem der Hamburger Reiseanbieter Interflug in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten war.
In einer Presseerklärung gibt Interflug der Fluggesellschaft Onur Air die Hauptschuld an dem Debakel. Die Fluggesellschaft, die wegen Sicherheitsmängeln eine Zeitlang nicht in Deutschland landen durfte, sei wichtigste Partnerin gewesen. Nach dem Landeverbot hätten daher einige Reisebüros ihre Zahlungen ausgesetzt. Man habe zwei Wochen lang in Vorkasse treten müssen, heißt es in der Presseerklärung. Vorwürfe erhebt Interflug auch gegen die Luftfahrtbehörden. Man habe zwar versucht, auf Onur Air gebuchte Fluggäste auf andere Chartergesellschaften umzubuchen. Doch die Behörden hätten diese Fluggesellschaften mit Restriktionen belastet und 'willkürlich' stundenlangen Inspektionen unterzogen. In Agenturberichten heißt es dagegen, andere türkische Vercharterer hätten sich wegen der unsicheren Finanzlage von Interflug geweigert einzuspringen.
Dem zuständigen Hamburger Amtsgericht liegt allerdings bisher kein Insolvenzantrag von Interflug vor. Eine Sprecherin wollte aber nicht ausschließen, dass sich der Antrag noch auf dem Postweg befand. Beim Deutschen Reiseveranstalter Verband (DRV) hieß es indes, dass das Unternehmen am Sonntag Insolvenzantrag gestellt habe. Eine Sprecherin des Branchenverbandes sagte, dass dem DRV eine Kopie des Antrages vorliege.
Fragwürdig ist, wie es im Pleitefall um den Insolvenzschutz des Reiseveranstalters bestellt wäre. Nach Aussage eines Sprechers hatte die Zürich Gruppe Deutschland, bei der Interflug bisher versichert war, diesen Vertrag zum 30. April gekündigt. Für Reisen, die nach Auslaufen der Police angetreten worden seien, hafte die Zürich Gruppe daher nicht mehr. Die Kündigung sei bereits im vergangenen Jahr ausgesprochen worden. Zu den Gründen wollte sich der Sprecher nicht äußern.
Es ist bisher nicht bekannt, ob Interflug bei einem anderen Anbieter versichert ist. Nach deutschem Gesetz muss jeder Reiseanbieter eine Versicherung abschließen, die im Pleitefall die Rückreisekosten übernimmt. Interflug war bisher für eine persönliche Stellungnahme zu dieser Frage nicht zu erreichen. 2002 hatte Kemal Atakan, Besitzer einer Flugvermittlung aus Hamburg, den Markennamen der einstigen DDR-Fluggesellschaft Interflug wiederbelebt. Medienberichten zufolge erleidet Atakan nicht zum ersten Mal Schiffbruch im Reisegeschäft. Er sei auch Geschäftsführer des Türkei-Veranstalters Transatlas gewesen, mit dem Ende 2001 knapp 300 Touristen in der südwesttürkischen Stadt Bodrum festgesessen hatten. Offenbar hatte Transatlas die Fluggesellschaft nicht bezahlt.
Darüber hinaus hätte das Unternehmen, anders als vorgeschrieben, keine Insolvenzversicherung gehabt. Der entsprechende Nachweis auf den Buchungen sei falsch gewesen. Das berichteten das ARD-Magazin Plusminus sowie der 'Touristik Report' im Internet. Wie 'Touristik Report' weiter berichtet, hatte das Landeskriminalamt 2001 gegen Atakan ermittelt. Eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft Hamburg bestätigte dies gegenüber Handelsblatt.com. 2003 sei Atakan wegen Betrugs im Zusammenhang mit Transatlas zu einer Geldstrafe verurteilt worden. bereits im letzten Sommer fiel Interflug mehrfach unangenehm mit der Vermarktung des Katastrophenhotels Mir Seleda auf. Nach jeweils 3 Monaten nannte sich dann das Hotel Megaron, weiter 3 Monate später Grand Paradise. Sogar im Fernsehen wurde auf mehreren Sendern (u.a. RTL und N-TV) über die zustände berichtet.
Die Rückflüge sind zwar organisiert, laut DRV müssen die Interflug-Kunden für den Rückflug mit Öger pro Person 200 Euro bezahlen, dies dürfte bei vielen Gästen mehr sein, als ihr gesamter Urlaub mit Interflug kosten sollte. Buchungen seien über ein Call-Center in Antalya möglich.
[ARD, dpa, NZ, HB, DRV, Hotelkritiken]
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