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| TUI auf Hauptversammlung unter Beschuss der Aktionäre |
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23.05.2004 (Hannover): Europas größter Touristikkonzern TUI steht auch nach Ende der Reiseflaute und allmählich wieder besserer Bilanzen bei vielen seiner Aktionären weiterhin in der Kritik. Auf der Hauptversammlung am Dienstag in Hannover wurden Aufsichtsrat und Vorstand schwerwiegende Fehler vorgeworfen und Zweifel an der Strategie geäußert.
Der Chef des Reiseriesen TUI, Michael Frenzel, hat dabei angesichts der Branchenkrise seinen Kurs auf einen reinen Touristikkonzern gegen Kritik von Aktionären verteidigen müssen. Zugleich bekräftigte er auf der Hauptversammlung die Gewinnprognose für 2004.
Im Kerngeschäft Touristik sieht sich der weltgrößte Reisekonzern weiter im Aufwind. Der Börsengang der Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd werde wie geplant für die zweite Jahreshälfte vorbereitet. Mit dem Einstieg in den russischen Markt wird die internationale Expansion fortgesetzt. Aktionäre kritisierten, die Touristik-Sparte sei nicht profitabel genug. TUI stehe vor schweren Jahren, nachdem mit den Energiebeteiligungen das Tafelsilber verkauft worden sei.
Zudem wurde Kritik am Ausbau des Billigfliegers Hapag-Lloyd Express (hlx) geäußert. Bemängelt wurde auch die im Dax-Vergleich schlechte Wertentwicklung der TUI-Aktie. Frenzel bekräftigte, in der Touristik wolle TUI 2004 das Ergebnis im 'deutlich zweistelligen Prozentbereich' steigern. In der Sommersaison liege TUI aktuell bei einem Umsatzplus im Vergleich zum Vorjahr von 3,3 Prozent.
Für Unmut sorgte ebenso die Entscheidung unmittelbar zu Beginn der Versammlung, die ursprünglich vorgesehene Abstimmung über den geplanten Börsengang der TUI-Tochter Hapag-Lloyd AG aus rechtlichen Gründen wieder abzusetzen. TUI-Chef Michael Frenzel versicherte, an dem Börsengang im Herbst werde festgehalten, auch wenn der Konzern offen für einen Verkauf bleibe.
Frenzel zeichnete den Aktionären ein betont optimistisches Bild des TUI-Konzerns. Mit dem bevorstehenden Einstieg in Russland werde TUI seinen Weg in neue Märkte weitergehen. Frenzel kündigte eine Beteiligung an. Nach Angaben aus Branchenkreisen handelt es sich um den Moskauer Veranstalter 'Mos Travel'. TUI wolle seine führenden Positionen auch in den angestammten europäischen Märkten ausbauen.
'Das Geschäftsmodell des integrierten Touristikkonzerns hat sich auch in der Krise bewährt', sagte Frenzel. TUI werde flexibel auf veränderte Kundenwünsche reagieren und sein Modell anpassen. Dazu gehörten der Ausbau des Internetangebots und die Möglichkeit, sich Reisen selbst zusammenzustellen. Unter Verweis auf die vorige Woche vorgelegte erste Quartalsbilanz für 2004 mit einem deutlich verringerten Verlust in der Reisesparte bekräftige der TUI-Chef die Prognose, dass TUI in der Touristik in diesem Jahr eine deutliche Ertragssteigerung erwarte.
Während der (noch) Hauptaktionär WestLB (mit gut 30 Prozent) die TUI-Strategie teilt, kritisierte die Mehrheit anderer Aktionärsvertreter mangelnde Transparenz der TUI-Bilanzen, die erst allmählich wachsende Ertragskraft der künftigen Hauptsparte Touristik und verwies insbesondere auf den niedrigen Börsenkurs. TUI-Chef Frenzel erklärte, auf Jahressicht habe sich die TUI-Aktie besser als der Deutsche-Aktien-Index (Dax) entwickelt.
Fondsmanager Michael Gierse von Union Investment, der knapp fünf Prozent der TUI-Aktien verwaltet, bewertete TUI im Vergleich zu anderen internationalen Unternehmen aus der Touristik. Deren Kurse hätten sich wesentlich stärker erholt. 'Nur die TUI nicht', sagte Gierse. Ein Kleinaktionär prangerte nach dem Umbau des Preussag-Konzerns zur TUI enttäuscht an: 'Ich habe mal Preussag-Aktien für 45 Euro gekauft.' Diese seien heute nur gut ein Drittel wert. Am Dienstag gehörte TUI mit Kursverlusten von bis zu 2,5 Prozent auf 16,30 Euro zu den Verlierern im Dax.
'Die Ertragskraft ist noch ungenügend', ergänzte Gierse und bemängelte, dass Zukäufe von Touristiktöchtern in Großbritannien und Frankreich nicht wirklich integriert seien. In die Kritik gerieten auch Vorstandsgehälter und Bezüge der mehr als 20 Aufsichtsräte, die an die TUI-Dividende gekoppelt sind. Für 2002 hatte TUI trotz geringen Konzerngewinns eine unveränderte Dividende von 0,77 Euro gezahlt. Fast 100 Millionen Euro seien aus der Substanz entnommen worden, um Bezüge für Vorstand und Aufsichtsrat hoch zu halten. 'Das ist unmoralisch', sagte ein Kleinaktionär unter starkem Beifall. Finanzvorstand Rainer Feuerhake entgegnete, die Koppelung von Dividende und Bezüge sei 'sicherlich kein Dogma'. Darüber könne man diskutieren.
Der Verzicht auf die Abstimmung über den Börsengang der Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd sorgte an den Aktienmärkten teilweise für Irritationen. Ausländische Investoren reagierten auf so etwas empfindlich, sagten Händler. TUI begründete den Schritt mit rein rechtlichen Gründen. Nach einer neuen Entscheidung des Bundesgerichtshofes sei die Abstimmung nicht mehr nötig, sagte Frenzel. Die Platzierung von rund einem Drittel der Hapag-Lloyd-Anteile werde unverändert für diesen Herbst vorbereitet. 'Sollte es jedoch zu einem ernsthaften Angebot kommen, sind wir verpflichtet es (...) sorgfältig zu prüfen', fügte er hinzu. Konkrete Angebote lägen nicht vor. Die Bielefelder Oetker-Gruppe hatte vor Wochen öffentlich erklärt, sie könne sich eine Übernahme von Hapag-Lloyd gut vorstellen.
Die Hauptversammlung sollte auf Vorschlag des Vorstands zwei Vorratsbeschlüsse zu Kapitalmaßnahmen treffen, die eine Erhöhung des Grundkapitals von derzeit 456 Millionen Euro um bis zu 180 Millionen Euro vorsehen. Damit würden bestehende Ermächtigungen im Volumen leicht erhöht und bis 2009 verlängert.
[dpa, reuters, Hotelkritiken]
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